Argentinien ist mit Abstand das fortschrittlichste Land Lateinamerikas in Sachen LGBTIQ+-Rechte. Es war das erste Land der Region, das die Ehe für alle beschloss (2010), das erste mit einem Gesetz zur Geschlechtsidentität ohne Gerichtsverfahren (2012), und es kommen die Trans-Beschäftigungsquote, das umfassende Trans-Gesetz und die Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare hinzu. Dieser Guide fasst die wichtigsten Rechte zusammen — und wie du sie wahrnimmst.
Ehe für alle (2010)
Am 15. Juli 2010 wurde Argentinien das erste Land Lateinamerikas (und das zehnte weltweit), das die Ehe zwischen Personen gleichen Geschlechts mit denselben Rechten und Pflichten wie die heterosexuelle Ehe beschloss. Das Gesetz 26.618, bekannt als „Ley de Matrimonio Igualitario”, wurde nach einer historischen Debatte vom Senat verabschiedet und wenige Tage später verkündet.
Das Gesetz umfasst alle Rechte der heterosexuellen Ehe: Witwenrente, Krankenversicherung, Erbrecht, gemeinsame Adoption, die Möglichkeit, durch Heirat die argentinische Staatsbürgerschaft zu beantragen, und alle weiteren Vermögens- und Familienrechte. Der Behördengang erfolgt beim Standesamt an jedem Ort des Landes. Wenn du aus dem Ausland kommst, kannst du in Argentinien heiraten und die Urkunde nutzen, um eine Aufenthaltserlaubnis zu beantragen.
Seit 2010 haben mehr als 30.000 gleichgeschlechtliche Paare in Argentinien geheiratet. Es ist ein in Gesellschaft und Staat völlig normalisiertes Recht. Es gibt keinerlei rechtliche oder administrative Diskriminierung, wenn man eine Person gleichen Geschlechts heiratet.
Gesetz zur Geschlechtsidentität (2012)
Am 9. Mai 2012 war Argentinien erneut Pionier in der Region mit der Verabschiedung des Gesetzes 26.743 zur Geschlechtsidentität — das erste Gesetz Lateinamerikas (und eines der ersten weltweit), das das Recht auf die selbstwahrgenommene Geschlechtsidentität anerkennt: ohne Gerichtsverfahren, ohne medizinische Diagnose, ohne Hormon- oder chirurgische Behandlung und ohne Vormundschaft jeglicher Art.
Das Gesetz garantiert das Recht auf:
- Anerkennung der selbstwahrgenommenen Geschlechtsidentität: Jede Person kann die Änderung von Name und Geschlechtseintrag im DNI und allen offiziellen Dokumenten beantragen.
- Zugang zu Hormonbehandlungen und Operationen über das öffentliche oder private Gesundheitssystem, mit verpflichtender Kostenübernahme.
- Mit dem selbstgewählten Namen und Pronomen angesprochen zu werden — in allen Bereichen: öffentlich, privat, Gesundheit, Bildung, Arbeit.
- Keine Diskriminierung aufgrund der Geschlechtsidentität, in keinem Bereich.
Der Vorgang ist rein administrativ: Er erfolgt beim Registro Nacional de las Personas (RENAPER) oder bei jedem Standesamt — ohne Richter, ohne medizinisches Gutachten, ohne juristisches Verfahren. Ein Gesetzesmodell, das später in anderen Ländern der Region und der Welt übernommen wurde.
Trans-Beschäftigungsquote (2021) und umfassendes Trans-Gesetz
Am 24. Juni 2021 verabschiedete Argentinien das Gesetz 27.636 zur Trans-Beschäftigungsquote, bekannt als Ley Diana Sacayán-Lohana Berkins (zu Ehren zweier ermordeter trans Aktivistinnen). Das Gesetz legt fest, dass 1 % der Arbeitsplätze des Nationalstaats von Travestis, transsexuellen und transgender Personen besetzt werden müssen. Das ist eine Untergrenze, keine Obergrenze: Jede Provinz, jede Gemeinde und jedes Unternehmen kann höhere Prozentsätze festlegen.
Das Gesetz umfasst:
- Quote von 1 % im nationalen öffentlichen Sektor (zentrale und dezentrale Verwaltung, Staatsunternehmen, nationale Universitäten, Streitkräfte mit eigenen Quoten).
- Fortbildung und Schulabschlüsse für trans Personen, die die Schule nicht beendet haben.
- Zugang zu Beschäftigungsprogrammen in Zusammenarbeit mit Provinzen, Gemeinden und Unternehmen.
- Gender- und Diversitätsperspektive in den Auswahlverfahren.
2025–2026 wurde die Verabschiedung des umfassenden Gesetzes für trans Personen Diana Sacayán-Lohana Berkins diskutiert und vorangebracht, das Rechte in Gesundheit, Wohnen, Bildung und historischer Wiedergutmachung erweitert. Das Gesetz wurde 2026 schließlich verabschiedet und verkündet und schafft einen umfassenden Rechtsrahmen für trans Personen in Argentinien.
Adoption, Reproduktion und Familienrechte
Seit der Verabschiedung der Ehe für alle haben gleichgeschlechtliche Paare dasselbe Adoptionsrecht wie heterosexuelle Paare. Das Gesetz 26.618 umfasst die Reform des Zivilgesetzbuchs, die gemeinsame Adoption und Einzeladoption ohne Diskriminierung erlaubt. Der Vorgang läuft über dieselben Behörden und mit denselben Kriterien wie für jedes andere Paar.
Bei der assistierten Reproduktion hat Argentinien eines der inklusivsten Gesetze der Region: Das Gesetz 26.862 über den umfassenden Zugang zu medizinisch assistierten Reproduktionsverfahren (2013) garantiert allen Personen den Zugang zu Fruchtbarkeitsbehandlungen — unabhängig von sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität oder Familienstand. Das schließt lesbische, schwule und trans Paare sowie Alleinstehende ein.
Weitere Rechte: Sportgesetz, Trans-Quote in der Kultur und mehr
Argentinien hat in den letzten Jahren LGBTIQ+-Rechte in vielen Bereichen ausgeweitet:
- Gesetz 27.592 (Sportgesetz, 2020): verankert die Gender- und Diversitätsperspektive, verbietet Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität im Verbandssport.
- Gesetz 27.636 (Trans-Beschäftigungsquote, 2021): 1 % der nationalen öffentlichen Stellen für trans Personen.
- Gesetz 27.711 (Frauenquote in der Kultur, 2023): verankert die LGBTIQ+-Perspektive bei der Vergabe von Kulturfördermitteln.
- Trans-Quote im öffentlichen Nahverkehr: Mehrere Buslinien und Verkehrsunternehmen haben aktive Programme zur beruflichen Inklusion von trans Personen.
- Ehe für alle (2010): Gesetz 26.618, die erste Lateinamerikas.
- Geschlechtsidentität (2012): Gesetz 26.743, das erste der Region mit Registeränderung ohne Gerichtsverfahren.
- Assistierte Reproduktion (2013): Gesetz 26.862, universeller Zugang unabhängig von sexueller Orientierung und Familienstand.
- Umfassendes Trans-Gesetz (2026): umfassender Rechtsrahmen für trans Personen in Argentinien.
Wie du deine Rechte wahrnimmst
Wenn du Rechtsberatung brauchst oder eines dieser Rechte wahrnehmen willst, gibt es in Buenos Aires mehrere kostenlose Anlaufstellen:
- 100% Diversidad y Derechos (100porciento.org.ar): die größte LGBTIQ+-Organisation Argentiniens. Kostenlose Rechtsberatung, Begleitung bei Behördengängen, Unterstützung. Mit Sitz in CABA.
- Fundación Huésped (huesped.org.ar): sexuelle und reproduktive Gesundheit, HIV, Diversität. Kostenloses Gesundheitszentrum in CABA. Rechtsberatung.
- ATTTA (attta.org.ar): Asociación de Travestis, Transexuales y Transgéneros de Argentina. Spezifische Begleitung für trans Personen, Rechts- und Arbeitsberatung.
- Defensoría del Pueblo de CABA (defensoria.org.ar): LGBT-Ombudsstelle, kostenlose Rechtsberatung.
- INADI (argentina.gob.ar/inadi): Nationales Institut gegen Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Diskriminierungsanzeigen. Kostenlose Hotline 0800-555-3422.
Argentinien ist eines der fortschrittlichsten Länder der Welt bei LGBTIQ+-Rechten. Wenn du Informationen oder Beratung brauchst, sind
100% Diversidad y Derechos (
100porciento.org.ar) und
Fundación Huésped (
huesped.org.ar) die beiden wichtigsten Anlaufstellen, beide mit kostenloser Betreuung in Buenos Aires. Und wenn du die Community erleben willst, ist
FEL!ZA (
felizarcoiris.com) das Zuhause.